São Tomé – die vergessene Insel im Golf von Guinea

Der zweite Abschnitt meiner Reise durch Zentralafrika führte mich in den Inselstaat  „São Tomé & Principe“. Die Inseln liegen rund 250 km von der afrikanischen Westküste entfernt und gehörten bis zum Ende des Kalten Krieges zur Einflusssphäre der Sowjetunion. Daher hat sich kaum touristische Infrastruktur entwickelt, der kleine Staat lebte relativ abgeschottet vor sich hin und wurde fast vergessen. Das hat für mich den Vorteil, dass viele der alten Heiltraditionen erhalten geblieben sind. Zudem wachsen auf dem Archipel viele endemische Pflanzen, solche also, die man nur auf São Tomé finden kann. Darüber werde ich berichten, wenn ich den Medizinalgarten von Bom Sucesso besuche.

Die Hauptstadt, São Tomé Stadt, hat einen ganz eigenen Charme. Sie besteht noch fast komplett aus der alten portugiesischen Kolonialarchitektur, die natürlich mehrheitlich stark renovierungsbedürftig ist. Dieses etwas morbide Flair der alten Häuserfassaden erinnert etwas an die kubanische Hauptstadt Havanna, wenn natürlich auch in viel kleinerem Maßstab. Da selbst einfache, für uns selbstverständliche Handlungen, sich als eine komplizierte Aufgabe entpuppen – ich rede vom Geld abheben, Tanken, Telefonieren oder einen Internetzugang aufzubauen – muss man es in São Tomé etwas ruhiger angehen lassen. Wer wirklich ernsthaft unserer Zivilisation entfliehen und tatsächlich mal eine Zeit nicht erreichbar sein will, dem sei die Insel wärmstens empfohlen. 

Auch wenn es hier nicht in erster Linie um touristische Infos, sondern um das Thema Heilpflanzen gehen soll, möchte ich doch zumindest das Restaurant von Madame Tété erwähnen. Wer vor dem Haus in der Avenida 12 Julho steht, der sollte sich nicht davon irritieren lassen, dass dieses Haus so gar nicht wie ein Restaurant aussieht. Auch wenn alles dunkel ist, trete man durch die Gartentür und gehe um das Haus herum. Im Garten grillt Madame Tété köstliche Fische, angeboten werden Spezialitäten wie Concón oder Calulú.  

Wer eine Idee davon bekommen möchte, wie sich das Leben der Sklaven in den Zuckerrohr-, Kaffee- und Kakaoplantagen gestaltete, der sollte das aus dem Jahr 1575 stammende Fort São Sebastião besuchen. Es beherbergt das Nationalmuseum von São Tomé und stellt mit alten Fotos, Möbeln und anderen Ausstellungsstücken die Geschichte des Archipels dar. Hier erhält man den direkten Vergleich zwischen dem luxuriösen Leben der Plantagenbesitzer und dem ärmlichen der Sklaven. In einer Ecke werden liebevoll Exponate der heimischen Vodoo-Kultur ausgestellt, welche die damaligen Sklaven aus ihrer Heimat auf dem afrikanischen Festland mitgebracht haben.

3 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Dr. Oldhaver,

    Ihr Blog ist wirklich sehr spannend und ich freue mich über neue Impressionen aus exotischen Ländern sowie über die Infos über die Jahrhunderte alte Heilkunst der dortigen Völker. Ich vermute, dass wir noch einiges von ihnen lernen können, schließlich mussten diese Menschen genauso mit Krankheiten umgehen wie wir. Nach der zur Heiligen berufenen Hildegard mit ihrer Heilkunst wird wohl nun eine Renaissance afrikanischer Medizin und deren Heilpflanzen folgen. Ich wünsche Ihnen bei der Suche nach „neuen“ Heilmethoden viel Glück und Erfolg!

    1. Es ist richtig, die Menschen sind da sehr arm. Aber gefährlich ist es nicht. Die Menschen auf Sao Tome sind sehr freundlich und begegnen Fremden mit viel Interesse und Gastfreundschaft.

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